Markt überhitzt: Stadion-Segeln mit Problemen

Klammheimlich verschwunden: Die Extreme Sailing Series endete mit der Saison 2018 ohne erkennbare Fortsetzung. Foto: Lloyd Images

Segeln vor Tribünen, Spektakel nah am Publikum: Stadionsegeln zog in den vergangenen Jahren Zuschauer und Sponsoren. Doch der Markt scheint überhitzt: Extreme Sailing Series ist verschwunden, SuperFoiler Grand Prix verschoben, World Match Racing Tour abgetaucht.

Segel-Events direkt vor der Zuschauerpromenade galten in den vergangenen Jahren als das Format der Zukunft. Die Reviere konnten kaum eng genug sein: Profi-Teams wurden auf Foils gesetzt und selbst in engen Flussläufen aufeinander gehetzt. Manöver im Sekundentakt, gefährliche Situationen und Kollisionen. Das Zerschellen eines Katamarans an der Kaimauer bei der Extreme Sailing Series wurde zum Youtube-Hit. Die Macher stritten darüber, wer die Formel 1 am besten auf das Wasser übertragen hatte – mit all den unschönen Nebenerscheinungen: Der Segelsport verlor seinen Ursprung. Taktik und Strategie waren nicht mehr relevant: Es ging nur noch um Speed, Speed, Speed.

Nun scheint einigen Events die Puste auszugehen. Die Gründe dürften mehrschichtig sein. Der Spaß an der Geschwindigkeit verliert irgendwann seinen Reiz, und in den vergangenen Jahren war selbst für Experten kaum noch zu überblicken, was wirklich wichtig war. Die Superstars verteilten sich auf die diversen Events, jedes einzelne verlor an Relevanz. Und im Wettbewerb gewinnt eben meist der Stärkere.

Der SailGP drückt andere Spieler an den Rand. Foto: SailGP

Die millionenschwere Einführung des SailGP von Larry Ellison und Russell Coutts drückt andere Spieler vom Feld. Die Extreme Sailing Series (ESS), die sich jahrelang als Unterbau für Segler mit AC-Ambitionen verstanden hat, ist heimlich von der Bildfläche verschwunden. Der SailGP mit den foilenden 50-Füßern dürfte näher am AC dran sein als die GC32 der ESS. Stattdessen wird nun die zweite Tour auf GC32, die Racing Tour, zum Auffangbecken für die Teams auf den 32-Fuß-Kats.

Leiden musste auch der junge SuperFoiler Grand Prix: Nach der 2018er-Serie sind die Pläne für 2019 erst einmal verschoben. Die Rennen auf den agilen Trimaranen in Australien schienen ein gutes Spielfeld für die Foiler-Generation. Doch nach der ersten Saison kamen die Stars wie Nathan Outteridge (zum SailGP) abhanden und die Sponsoren verloren das Interesse. Die Serie will nun neu aufbauen, vielleicht auf andere Reviere ausweichen und bittet die Fangemeinde abzuwarten.

Für die Super Foiler heißt es nach einer Saison: erst einmal wieder Warteschleife: Foto: Super Foiler

Warten müssen auch die Fans der World Match Race Tour (WMRT), die zuletzt auf M32-Kats segelten. Das Finale der vergangenen Saison fiel aus, die Rechte wurden an neue chinesische Eigentümer verkauft. Eine Abkehr von den Kats scheint festzustehen. Kurz vor Weihnachten wurden Neuigkeiten für Januar angekündigt – seitdem herrscht Schweigen.

Der entscheidende Motor scheint einmal mehr der America’s Cup zu sein. Seine Abkehr von den Katamaranen hin zu den Monohulls hat zumindest die Events der Einrümpfer beflügelt. Die 52 Super Series und die RC 44 starten mit Top-Teams und diversen Superstars in ihre Saisons. Sie halten sich hier fit für den AC. Dessen Zeitplan ist dagegen selbst ins Trudeln gekommen. Die AC World Series als Vorbereitung sollte bereits in diesem Sommer starten, doch noch gibt es keine Eventplanung. Probelme mit dem Kanting-Foil-System haben die Planungen verzögert. Es wird also wohl erst im Herbst losgehen.

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