Ocean Race Europe: Vier Top-Imoca-Teams gemeldet

11th Hour Racing” ist das favorisierte Team zum Ocean Race Europe. Foto: Amory Ross

In acht Wochen soll der Startschuss fallen, doch noch sind die Infos dünn: Zur Premiere des Ocean Race Europe gibt es aktuell viele Fragezeichen: Es fehlen Details zur genauen Route, welcher weiterer Etappenort dazukommt und welche Teams an den Start gehen. Etwas Licht ins Geschehen bringt die Imoca-Klasse. Sie terminiert den Start auf den 30. Mai und vermeldet vier Imoca-Teams, die das Rennen angehen wollen.

Der erste Meldetermin läuft am 16. April aus, bis zum 30. April werden Nachmeldungen angenommen. Für die Imoca-Klasse wäre das Europa-Rennen der Einstieg in den Circuit mit voller Crew. Die Open60 sind sonst spezialisiert auf Shorthanded-Rennen. Nach der Wahl als eine von zwei Bootsklassen für das nächste Ocean Race (Start: Oktober 2022) sollen die Boote nun mit einer Crew von mindestens vier Akteuren besetzt werden. Zum Ocean Race Europe, das nach der Verschiebung des Weltrennens kreiert wurde, sind Mannschaften mit einer Stärke von vier bis fünf Athleten geplant, inklusive einer Frau und einem Medienexperten.

Die Imoca-Klasse hat das Ocean Race Europe wie auch das Ocean Race in ihre Imoca-Globe-Series aufgenommen und geht damit den Schritt zum Segeln mit großer Crew. Allerdings müssen sich die Organisatoren des Ocean Race in einem harten Wettstreit mit anderen Events etablieren. So kollidiert der Start zum Weltrennen im Herbst 2022 mit der Route du Rhum, die fester Bestandteil des Imoca-Kalenders ist. Das Europa-Rennen mit seinen Etappen von Lorient/Frankreich nach Cascais/Portugal und schließlich bis nach Genua/Italien (gesamte Rennstrecke rund 2000 Seemeilen) wäre daher eine perfekte Möglichkeit, um das Crewsegeln in Szene zu setzen. Doch die Zeit rennt, und noch fehlen viele Informationen. So warten potenzielle Starterteams unter anderem auf die Benennung eines weiteren Etappenortes, der von Cascais aus im Mittelmeer angesteuert werden soll.

Genua ist der Zielhafen des Ocean Race Europe. Foto: Imoca-Class

Die Imoca-Klasse gibt sich indes hoffnungsfroh, glaubt an den Start von sieben VO65, die die Klasse der vergangenen beiden Volvo Ocean Races bildeten, und auch von bis zu sieben Imocas. „Wir freuen uns sehr, dass einige der besten Boote und Teams der Klasse beim Ocean Race Europe starten werden“, sagt Antoine Mermod, Präsident der Imoca-Klasse. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass dies ein spektakuläres Ereignis sein wird. Wir freuen uns auf eine starke Beteiligung an einem einzigartigen Rennen.“

Tatsächlich haben Anfang April vier Imoca-Teams gemeldet – durchaus namhafte. So will Charlie Enright (USA) mit „11th Hour Racing“ dabei sein, außerdem haben drei prominente französische Skipper fest gemeldet. Der drittplatzierte der Vendée Globe, Louis Burton, bringt seine „Bureau Vallée“ an Start, Thomas Ruyant (Sechstplatzierter der Vendée) hat mit der „LinkedOut“ gemeldet, und Nicolas Troussel will zeigen, was in seiner „Corum L’Epargne“ steckt.

Nicolas Troussel will nach dem Mastbruch zur Vendée zeigen, was in der Imoca-Klasse steckt. Foto: Stichelbault

Zur Vendée Globe war Troussel noch am Boden zerstört war, schied bereits in der Anfangsphase mit gebrochenem Mast aus. „Unsere Imocas sind fantastische Boote, und das Segeln mit voller Besatzung ist Gelegenheit, ihre Leistung zu zeigen und mehr über ihre Einsatzfähigkeit zu erfahren“, sagt Troussel. „Das Ocean Race Europe bietet herausfordernden Bedingungen – sowohl im Atlantik als auch im Mittelmeer.“

Der Franzose aus Lorient sieht vor allem Charlie Enright mit seiner Erfahrung auf Crew-Booten in der Favoritenrolle: „Wir müssen die optimale Art finden, das Boot im Besatzungsmodus zu segeln. Der Wettbewerb sollte eng werden und wir werden auf dem Wasser gegen Projekte wie das ’11th Hour Racing Team’ antreten, die sich mehr auf Crew-Events konzentrieren.“

Simon Fisher, Navigator aus dem „11th Hour Racing Team“, das die „Hugo Boss“ von 2015 für den Crew-Einsatz umgebaut hat, kann es kaum erwarten, beim Ocean Race Europe an den Start zu gehen: „Wir haben gelernt, wie man mit diesen Booten schnell segelt und es rund um die Uhr mit einer Crew auf Performance hält. Deshalb freuen wir uns sehr auf den Start von The Ocean Race Europe.“

Thomas Ruyant hat nach Platz sechs zur Vendée eine klare Siegansage für das Ocean Race Europe gemacht. Foto: Ruyant

Der Brite hat bereits fünf Ocean Races im Kielwasser, bekennt aber, dass die Imocas noch einmal eine besondere Herausforderung sind. Denn im engen und lauten Innenraum einer Imoca ist es kaum möglich, Schlaf zu finden. „Es ist eine ziemlich interessante Aufgabe herauszufinden, wie man sich ausruhen kann“, sagt er. „Mit zwei Leuten an Deck, die das Boot fahren, ist es eigentlich ziemlich schwierig, es sich bequem genug zu machen, um ein Auge zu verschließen.“
Laut Fisher bietet die Ocean Race Europe-Strecke „strategisch und taktische Herausforderungen“. „Es wird viel los sein, weil wir fast immer in Landnähe segeln werden, was die Intensität hoch hält. Es ist schwieriger, Routinen zu entwickeln, wenn man immer um Markierungen und Landzungen fährt. Es hat also das Zeug zu einem ziemlich intensiven Rennen.“

Thomas Ruyant will nach Platz sechs mit seiner „LinkedOut“ während der Vendée nun zum Ocean Race Europe angreifen: „Wir gehen an den Start, um zu gewinnen!“ Mit voller Crew erwartet er eine enorme Leistungssteigerung für die Imocas: „Mit so vielen Personen an Bord kann man viel schneller Manöver durchführen und die Segel wechseln, sodass man die Entscheidungen für einen Segelwechsel auch schneller treffen kann, als wenn man allein an Bord ist.“ Ruyant sieht gute Chancen, dass das Ocean Race Europe fester Bestandteil im Imoca-Kalender wird.

Nach dem Verkauf seiner “Seaexplorer” direkt nach der Vendée fehlt Boris Herrmann derzeit eine Yacht. Foto: Jean-Louis Carli

Und die deutschen Kampagnen? Nach der erfolgreichen Vendée Globe fehlt Boris Herrmann aktuell eine Yacht. Seine „Seaexplorer“ wurde vom Stuttgarter Eigner Gerhard Senft verkauft, der Markt an Yachten ist leergefegt und der angestrebte Neubau für die Vendée 2024/25 muss erst noch finanziert werden. Auf der Meldeliste für das Ocean Race 2022/23 ist Herrmann zwar vorgemerkt, aber die Zeit dürfte schon jetzt knapp werden.

Zum Ocean Race Europe sind Foils für die Imocas noch nicht verpflichtend. Die “Einstein”, die 2019 zum Fastnet Race bereits ihren Crew-Einsatz hatte, wäre also startklar. Foto: Diemer

Das Offshore Team Germany hat seine Yacht „Einstein“ in Südengland liegen. Nach der Teilnahme am Fastnet Race 2019 sprengte die Corona-Pandemie alle weiteren Regattaplanungen. Das OTG ist ebenfalls für das Ocean Race vorangemeldet, und das Europa-Rennen wäre eine gute Gelegenheit, um erneut in den Renncircuit einzusteigen. Die zehn Jahre alte Yacht ist zwar noch aus der Vor-Foiler-Generation; die Flügel sind aber zum Europa-Rennen – anders als zum Ocean Race – noch nicht verpflichtend. Die „Einstein“ könnte also an den Start gehen.

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