Spektakel vor Nassau

Der neuseeländisch-britische Crew Hamish Pepper/Steve Mitchell kehrte mit Mastbruch in den Hafen zurück. Foto: Gilles Morelle/SSL

Mit vier wechselhaften Rennen und einer Sturmfront sind die Weltstars des Segelsports in das Finale der Star Sailors League vor Nassau/Bahamas gestartet. Nach drei Leichtwind-Rennen wurde die Flotte in der vierten Wettfahrt von einer schweren Front erwischt.

Die Folge: ein Mastbruch und ein Mann-über-Bord-Manöver. Führende nach Tag eins sind Robert Scheidt/Henry Boening (Brasilien).

In der sechsten Auflage dieser Regatta entwickelte sich der erste Regattatag – nach einem flautenbedingten Pausentag zum Start – dramatisch. In den vier Rennen des Tages gab es große Verschiebungen und vier unterschiedliche Sieger – und zum Ende hin überraschte eine Unwetter-Front mit Böen jenseits der 25 Knoten die Flotte der 23 Boote: bei Hamish Pepper brach der Mast und der Berliner Frithjof Kleen verlor zwischenzeitlich seinen Steuermann Diego Negri.
Der Tag begann mit besten Bedingungen. In einer Brise von 10 bis 12 Knoten setzte sich Brasilien zunächst stark in Szene. Das erste Rennen gewannen Robert Scheidt/Henry Boening, das zweite ihre Landsleute Lars Grael/Samuel Gonçalves.

„Wir hatten die richtige Wahl getroffen, als wir am Startschiff gestartet sind. Die rechte Seite war bevorteilt, und so konnten wir vor der gesamten Flotte vorbeiziehen“, berichtete Lars Grael, der 1988 und 1996 im Tornado jeweils Olympia-Bronze gewonnen hat, seit 20 Jahren aber mit einer Behinderung segeln muss. 1998 wurde Grael von einem Motorboot überfahren, verlor dabei sein rechtes Bein. Grael wechselte später in den Star, da er dieses Boot auch mit einem Bein beherrscht, und gehört seitdem zur Weltspitze in dieser Bootsklasse.

In der letzten Wettfahrt hatte die Flotte mächtig zu kämpfen, als die Unwetter-Front über das Feld hinwegzog. Foto: Gilles Morelle/SSL

Im dritten Rennen lieferten sich Mark Mendelblatt/Brian Fatih (USA) mit Polens Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz und dessen Vorschoter Dominik Zycki ein enges Duell. Der Amerikaner setzte sich schließlich durch: „Nach der ersten Runde haben wir die richtige Seite des Gates gewählt. Wir waren rechts von Mateusz, als der Rechtsdreher kam. So konnten wir vorbeiziehen. An der Spitze war es dann einiges einfacher.“

„Zwischendurch hatten wir Angst, das Boot zu versenken.“

Auch in der letzten Wettfahrt des Tages schaffte es ein US-Amerikaner an die Spitze. Augie Diaz, der den ehemaligen Scheidt-Vorschoter Bruno Prada im Vorschiff hat, setzte sich gegen die Flotte durch und schaffte es noch rechtzeitig vor der großen Front über die Linie. Das Unwetter hatte schon zur Hälfte der Wettfahrt über Nassau gestanden, blieb aber zunächst stehen. Als die Böen und der Regen schließlich losbrachen, war Europameister Diaz bereits auf einem sicheren Weg in Richtung Ziel. Lars Grael konnte die Böen noch nutzen, um sich weit nach vorn zu schieben: „Wir waren in einer schlechten Position und sind überrascht, dass wir es noch auf Platz fünf geschafft haben. Aber als es zu grummeln anfing, haben wir die Böen gut erwischt. Zwischendurch hatten wir zwar etwas Angst, das Boot zu versenken. Aber am Ende hatten wir alles unter Kontrolle.“

Der Berliner Frithjof Kleen musste seinen Steuermann Diego Negri wieder an Bord hieven, nachdem dieser bei einem Penalty über Bord geschleudert wurde, Foto: Gilles Morelle/SSL

Anderen erging es nicht so gut. Auf dem letzten Schenkel in Richtung Ziel brach bei Hamish Pepper/Steve Mitchells der Mast, und Mitfavorit Diego Negri ging gar außenbords. Der Italiener, der mit Titelverteidiger Frithjof Kleen als Vorschoter segelt, kassierte an der Luvmarke einen Penalty. Und als das Duo den Kringel drehte, wurden sie von einer harten Böe getroffen. Negri wurde über Bord geschleudert, konnte sich aber an Pinnenausleger und Großschot festhalten. So konnte Kleen ihn wieder an Bord hieven. Doch durch das Manöver fielen die beiden auf den letzten Platz in dieser Wettfahrt zurück, liegen durch das Streichresultat aber dennoch auf dem dritten Gesamtrang.

Angeführt wird die Flotte von Robert Scheidt/Henry Boening vor Mark Mendelblatt/Brian Fatih. Bis einschließlich Freitag werden die Flottenrennen fortgesetzt. Die besten Zehn schaffen dann den Cut für die Finalrunde, die in Viertel-, Halb- und Finale gesegelt wird. Zum Finale treten in diesem Modus die besten Vier an. Für die weiteren deutschen Starter in diesem Feld wird es schwer, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Markus Koy liegt an der Vorschot von Laser-Weltmeister Pavlos Kontides (Zypern) auf Rang 15. Kilian Weise segelt mit dem erst 17-jährigen Laser-Radial-Weltmeister Guido Gallinaro. Doch der junge Italiener konnte nur einmal sein großes Talent aufblitzen lassen. Insgesamt muss sich das italienisch-deutsche Duo mit Rang 20 begnügen.

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